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Postpartales Erschöpfungssyndrom: Alles, was du wissen musst

Aktualisiert: 4. Feb.

Wenn sich eine Frau nach der Entbindung von den hohen Anforderungen der Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit nicht vollständig erholt, können die Nachwirkungen noch jahrelang andauern. Stress, Schlaflosigkeit, Hormonumstellung, usw. haben gravierende Folgen, wenn Frauen nicht entsprechend unterstützt und behandelt werden.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft wird es beinahe schon vorausgesetzt, dass eine Frau kurz nach der Geburt wieder top in Form ist, sowie Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringt. Dadurch entsteht ein enormer Druck, der wiederum einen hohen Impact auf die Gesundheit ausübt.


Das muss sich ändern!




 

Ich möchte dazu beitragen, dass die Nachsorge der Mütter nach der Geburt optimiert wird. Frauen müssen und sollen nicht durch jahrelange Erschöpfungszustände gehen für das immense Wunder, dass sie vollbringen.


#1: Was ist eine postpartale Erschöpfung?


Unter postpartaler Erschöpfung versteht man ein Syndrom, bestehend aus einer Konstellation von Symptomen, die sich auf unterschiedliche Lebensbereiche auswirken. Grundlegende Probleme sind hormonelle Veränderungen, ein gestörter Schlafrythmus und psychische Komponenten.


Stelle dir deinen Körper einmal als ein Fass vor. Je mehr Löcher durch Schwangerschaft, Geburt, schlaflose Nächte, Stillen, Viren, Bakterien, emotionale Stressbelastungen, etc. dazu kommen, desto leerer wird das Fass, bis es gar kein Wasser mehr aufnehmen kann, da die Löcher nicht zeitgerecht gestopft werden können. Das Energieniveau sinkt unweigerlich weiter. Diese Symptome können jahrelang anhalten bzw. die volle Tragweite erst wesentlich später erkennbar sein.


Folgende Faktoren sind nach Oscar Serralisch ausschlaggebend:


  • Nährstoffmangel durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

  • Schlafmangel und kein erholsamer Schlaf

  • psychisches Wohlbefinden bzw. soziale Isolation


Die professionelle Behandlung einer Wochenbettdepression muss ebenfalls durch psychotherapeutische Unterstützung gewährleistet werden.


Was macht eine Diagnose so schwierig?


Viele Vitamine und Nährstoffe sind zwar vorhanden, aber in nicht ausreichender Menge bzw. nicht so, wie es für die jeweilige Frau das Optimum ist. Dadurch ist es auf den ersten Blick schwierig eine Diagnose zu stellen, denn dieses geringe Vorhandensein ist zwar nicht die Ursache für ein Krankheitsbild, aber die Werte sind dennoch nicht in dem Ausmaß vorhanden um dem Körper die notwendigen Voraussetzungen zur Heilung zu geben. Daher werden in erster Linie viele der Symptome als "psychisch" abgetan. Frauen fühlen sich nicht ernst genommen oder akzeptieren ihre schlechte körperliche Verfassung.


#2: Multisystem-Erkrankungen brauchen multifaktorielle Behandlungsmethoden


So vielfältig die körperlichen Auswirkungen sind, so vielfältig müssen auch die geeigneten Behandlungsmethoden sein. Dabei steht immer das Individuum im Vordergrund. Das heisst eine Behandlung auf Grund der Vorgeschichte und nicht auf Grund eines Blutbildes, das meistens nur einen Bruchteil der ganzen Faktoren abdeckt. Denn zieht sich die körperliche Erschöpfung bis auf Zellebene, wird es schwierig, überhaupt etwas zu finden. Tipps wie "Schlafen Sie dann, wenn das Baby schläft" verharmlosen die Symptomatik und in vielen Fällen bringt der Schlaf auch nicht mehr die Erholung, die der Körper benötigt.


Eine Kombination aus:

  • Hormonelle Ursachen identifizieren

  • Nährstoffmängel auffüllen

  • Schlafoptimierung

  • Einteilung der Energieressourcen/Pacing

  • Techniken zur Regulation des Nervensystems

  • Ernährungsgewohnheiten optimieren/Nahrungsmittelunverträglichkeiten feststellen

  • Bewegung und Training

  • Psychotherapeutische Begleitung


helfen dem Körper die notwendigen Voraussetzungen zur Heilung zu geben.


#3: Fülle dein Energiefass auf


Akzeptanz schaffen

So leicht es klingt, so schwierig ist die Umsetzung. Wir leben in einer Zeit in der von uns quasi verlangt wird, dass uns jeden Tag die Sonne aus dem Hintern scheint. Fühlen wir das doch in dem Moment nicht, können wir uns noch so viele Affirmationen täglich durchlesen. Und das wiederum verstärkt das Gefühl, dass wir gerade nicht so funktionieren, wie es von uns erwartet wird. Akzeptieren wir jedoch die Situation und machen unseren Körper von nun an jeden Tag zur Priorität, hilft es uns die richtigen Entscheidungen zu treffen, die uns zu mehr Glücksgefühlen und Wohlbefinden führen.


Reflektiere deinen Social Media Konsum

Wir vergleichen uns ständig mit allem und jeden. Es liegt in unserer Natur und es kann in bestimmten Situationen sogar richtig motivierend wirken! Befindest du dich jedoch in einer Phase, in der deine Welt gefühlt stehen bleibt und das Leben der anderen sich rasch weiter entwickelt, solltest du dir damit nicht noch zusätzlichen Druck machen. Social Media vermittelt uns ein falsches Bild der Realität. Es lenkt uns ab und führt zu einem Sucht-ähnlichen Verhalten. Es zwingt uns dazu in kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen zu müssen. Das kostet Energie-Reserven, die dein Körper gerade wo anders dringen benötigt. Wie wäre es vielleicht mit einem vorübergehenden Social Media Detox? Dies wird nicht nur deine wirklich engen Kontakte intensivieren, sondern auch dein Nervenkostüm enorm entlasten.


Optimiere deinen Schlaf

Guter Schlaf beginnt mit dem Aufstehen. Kein Weg führt an diesem Punkt vorbei, denn unser Körper regeneriert nur, wenn er ausreichend Schlaf bekommt. Für den weiblichen Körper ist es um so wichtiger ein gewisses Schlafpensum, im Idealfall auch ohne Unterbrechungen, zu erhalten. Natürlich sieht die Realität nach der Geburt meistens anders aus. Aber auch fehlendes Tageslicht, elektronische Geräte oder Essgewohnheiten können sich negativ auf den Schlaf auswirken. Ich werde einen eigenen Blogbeitrag zu diesem Thema schreiben, denn es gibt viele Dinge, die zu einem gesunden Schlafklima beitragen. Solltest du von Ein- und/oder Durchschlafstörungen geplagt sein bzw. das Gefühl haben, nur "oberflächlich" zu schlafen, aber nicht erholsam, besprich dieses Thema in jedem Fall mit deiner/m Ärztin/Arzt!


Nährstoff-Mängel auffüllen

Hier reagiert die klassische Schulmedizin zwar eher verhalten, aber aus meiner eignen Erfahrung und Krankengeschichte mit CFS kann ich sagen: ein optimaler Nährstoffgehalt setzt auch optimale Voraussetzungen zur Heilung. Viele Frauen laufen mit Ferritin-Werten herum, die zwar laut Blutbild noch in der Referenz sind, aber für ihre Verhältnisse schon längst einen Mangel darstellen. Setzt man sich einmal näher mit dem Thema auseinander, wie Referenzwerte entstehen oder vergleicht die eigenen Werte, die man während einer Erschöpfung hat mit denen, die der Körper hat, wenn er gesund ist, haben schon viele ein "Aha!"-Erlebnis. Ich bin keine Freundin von "blind supplementieren" und viele viele Euros in "teuren Urin" zu investieren. Dieses Thema muss immer mit professionellen MedizinerInnen und Blutuntersuchungen begleitet werden.


Hormone

Der weibliche Körper unterliegt gerade nach der Geburt bzw. nach dem Abstillen großen hormonellen Schwankungen. Es gibt viele Hormone, deren Funktion maßgeblich zur Aufrechterhaltung des Immunsystems beitragen und Erschöpfungszuständen vorbeugen. Hier gilt es wiederum nach dem Optimum zu streben, und sich nicht mit minderversorgenden Referenzwerten zufrieden zu geben.


Einteilung der Energieressourcen/Pacing - bzw. Hilfe annehmen!

Ich weiss wirklich aus eigener Erfahrung, dass man das allerbeste für sein Kind möchte und am liebsten alles alleine schaffen. Oft nehmen wir es als eigene Schwäche auf um Hilfe zu bitten. Energiemanagement ist in Phasen einer "chronischen Erschöpfung" das Um und Auf! Deshalb versuche Zeit für dich selber zu finden und du wirst merken, dass du in der Zeit, in der du für andere da sein musst, auch wesentlich energiegeladener sein wirst. Identifiziere Energieräuber und reduziere den Kontakt. Denn nicht nur körperliche Belastungen rauben uns Energie.


Techniken zur Regulation des Nervensystems

Egal was, tu es!!! Meditation kann unglaublich hilfreich sein wenn es darum geht, das Gedankenkarussel abzudrehen. Wenn du nach 2 Minuten schon merkst, wie deine Gedanken wieder abdriften, dann beginne in den ersten Tagen/Wochen einfach mit 2 Minuten und steigere dich kontinuierlich. Wenn das doch nichts für dich ist, probiere unterschiedliche Atemübungen, Malen, Puzzlen, EFT-Tapping, Yin Yoga, den Blick regelmäßig in die Ferne schweifen lassen, usw. . Was auch immer dir hilft, finde Möglichkeiten es in deinen Alltag zu integrieren. Unser Nervensystem hat Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus. Alleine das Leben im 21. Jahrhundert mit all dem Lärm und vielen künstlichem Licht ist schon ein Stressfaktor. Das Nervensystem ist permanent in Alarmbereitschaft. Befindet sich der Körper in einer außerordentlichen Stressphase, wie das zum Beispiel nach der Geburt der Fall ist, prägt sich das Nervensystem diesen Zustand ein und es fällt ihm schwerer einen Ausgleich zu schaffen. Schlafprobleme und Erschöpfungszustände können die Folge davon sein. Wir leben in einer Zeit in der wir versuchen, sämtliche Tageslücken zu füllen. Sei es mit Musik, Podcasts, Social Media, usw. . Gönne dir einmal richtige Ruhezeiten, denn sie sind ein wesentlicher Faktor deiner Heilung.


Nahrungsmittelunverträglichkeiten feststellen und Ernährungsgewohnheiten optimieren

Alles, was wir täglich zu uns nehmen, wirkt sich irgendwie aus. Mit den Basics einer ausgewogenen Ernährung kennen sich die meisten aus. Auf Zucker verzichten, großteils unverarbeitete Lebensmittel, kein Alkohol, kein Koffein, auf einen ausreichenden Gemüseanteil achten, und und und. Nahrungsmittel, die unser Körper nicht gut verträgt, können unglaubliche Energieräuber sein. Hier gilt es wieder sich das Individuum anzusehen und dementsprechend optimieren. Denn über Nahrung können wir einen wesentlich Beitrag zu unserer Darmgesundheit beitragen, welche wiederum wesentlich für die Stabilisation unseres Immunsystems ist. Doch wichtig ist nicht nur "Was" ich esse, sondern auch "Wie". Unser Parasympathikus ist wichtig für ein funktionierendes Verdauungssystem. Sich auf das Essen einstellen, durch zum Beispiel kochen, geregelte Essenszeiten und ohne Ablenkungen essen wirken sich stark auf unsere Verdauung und somit auch auf unser Wohlbefinden aus.


Bewegung und Training

Nicht nur unsere Muskeln brauchen regelmäßig Bewegung, sondern auch unser Lymphsystem, das am Abtransport von Schadstoffen beteiligt ist, liebt Bewegung. Doch wie diese Bewegung oder das Training aussieht, kann in Phasen der Erschöpfung ganz anders sein. Denn ein zu intensives Training führt rasch zu einer Verschlechterung. Doch auf der anderen Seite ist der oft gut gemeinte Rat, auf Training zu verzichten, ebenfalls nicht sinnvoll. Kommt es schon zu einer Beeinträchtigung auf Zellebene kann richtig dosiertes Training unseren Zellkraftwerken helfen, wieder auf Vordermann zu kommen.


Psychotherapeutische Begleitung

Ich bin eine große Befürwortern des Ansatzes, dass Körper und Psyche nicht getrennt von einander betrachtet werden dürfen. Wir nehmen nur einen geringen Teil unseres täglichen Lebens bewusst wahr, wesentlich mehr wird in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. Bringen wir ein Kind auf die Welt, setzen wir uns oft seit langer Zeit (wieder) mit unserer eigenen Kindheit auseinander. Eine postpartale Depression benötigt ohnehin professionelle psychotherapeutische Unterstützung. Aber auch in Phasen der Erschöpfung kann es hilfreich sein, sich mit Glaubenssätzen oder Traumata auseinanderzusetzen.



Ein Kind auf die Welt zu bringen ist das wohl das Faszinierendste, dass der menschliche Körper leisten kann. Jedoch bekommen Frauen nach der Geburt kaum Unterstützung und Symptome werden oft als "normal" oder "psychisch bedingt" eingeordnet. Dadurch erhalten sie nicht die entsprechende Behandlung, die sie benötigen und schleppen sich jahrelang mit Erschöpfungszuständen durch das Leben. Es ist für mich ein Herzensthema eine entsprechende Aufklärung und bessere Versorgungslage für Frauen nach der Geburt zu gewährleisten.


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